Donnerstag, 20. Februar 2014

Faux Chenille Decke

In diesem Post möchte ich euch eine meiner Lieblingstechniken vorstellen: Faux Chenille. Faux Chenille kommt aus dem französischen und heißt soviel wie falsche Raupe. Ihr kennt sicher diese gedrehten Drähte oder Fäden, die mit abstehenden Fäden besetzt sind, aus ersteren werden gern auch Deko-Tierchen geformt. Dieses Material heißt Chenille, weil es an das Aussehen einer bestimmten Raupenart erinnert.
Kinder der 1980er Jahrer: in "Die lustigen Welt der Tiere" war das die "feine Dame im Pelz", wenn ich mich recht entsinne.... :o)

Diese Decke eignet sich zum Beispiel als dekorativer Blickfang über einer Lehne oder dem Fußteil des Sessels oder aber als originelles Geschenk zur Geburt/Taufe. Faux Chenille Decken sind ganz wunderbare Krabbeldecken, weil sie schön dick und weich sind, dabei aber recht leicht bleiben.



Das Ergebnis nach einiger Näherei und Schneiderei ist, dass man einen von oben glatten Stoff mit vielen zierenden Nähten und von unten ausfransende, volumige Faux Chenilles hat.

Ich habe die (leidvolle -davon später mehr...) Erfahrung gemacht, dass normale Baumwollstoffe nicht immer dick genug sind, um schön auszufransen. Ich nehme jetzt lieber möglichst dicke Stoffe wie z.B. einen dicken Flanell oder noch besser Molton. Und ich nähe bei neuen Stoffen erst ein kleines Probestück um zu sehen, dass sich der Stoff auch so verhält wie gewünscht.

So sieht mein Probestück aus:
Baumwollstoff für Oberseite und Schrägband

3 Schichten Molton für die Unterseite, Nahtabstand 1 cm












Nun wird es ernst:


Als Ausgangsmaterial für die tatsächliche Decke habe ich mir letztlich einen wunderschönen Mädchenstoff in rosa mit tanzenden Feen aus Flanell ausgesucht, für die Unterseite je zwei Schichten pink und weiß aus Molton. Der Rand wird mit selbstgeschnittenem Schrägband in lila mit weißen Punkten aus Baumwollstoff verziert. Für das Garn habe ich einen dunklen lila-Ton gewählt.





Zunächst werden alle Schichten aufeinander gelegt und gut festgesteckt.













Dann sucht man sich eine Ecke nach Wahl aus und näht im 45° Winkel.
Es ist wichtig, dass ihr in diesem Winkel näht. Bei quadratischen Nähstücken ergibt sich das automatisch und man näht von Ecke zu Ecke. Bei rechteckigen Stücken kommt man aber vielleicht (so ging es mir zumindest) aus optischen Erwägungen in die Versuchung, auch von Ecke zu Ecke zu nähen. Das ist aber keine gute Idee, denn dann zerfällt der Stoff, anstatt sich aufzuplustern. Das liegt am Webmuster des Stoffes.



Ist die erste Naht geschafft, drehe ich das ganze Stoffpamphlet einfach um, ich kappe nicht mal den Faden und nähe die nächste Reihe direkt runter. Das ist von Vorteil, da es sich gerade bei dicken Stoffen häufig nicht vermeiden lässt, dass sich die Stoffe etwas verschieben. Würde man nun immer nur in eine Richtung nähen, verzieht sich die Decke in der Regel in eine Richtung. Wechselt man die Richtung, in dem man am Ende der einen Naht nur ein Stück zur Seite rutscht und dann gleich wieder mit der neuen Naht startet, gleicht sich das wieder aus.


 Damit der Faux Chenille Effekt auch gut zur Geltung kommt, sollte man die Abstände zwischen den einzelnen Nähten nicht zu weit wählen. Ich habe mich für ca. 1,3 cm entschieden. Wer zwei oder drei Schichten für die Unterseite wählt, sollte hier noch drunter bleiben.





Macht euch keinen Stress, wenn die Nähte nicht immer gerade werden. Das sieht man zum Schluss bei der Vielzahl der Nähte nicht mehr.













Außerdem passiert es leicht, dass sich der Stoff beim Nähen knautscht. Da die unteren Schichten später aufgeschnitten werden, zieht sich der der obere Stoff wieder glatt. Also ist das auch kein Grund zur Sorge.








Fast fertig...







Nachdem auch die letzten Nähte erledigt sind, geht es ans Schneiden. Die unteren Schichten zwischen den Nähten werden durchtrennt.








 Durchhalten, es lohnt sich!!



Nach dieser Schlitzerei ist das Schrägband dran, mit dem die Kante der Decke verziert wird.

Schrägband kann man bereits fertig kaufen oder selbst machen. Je nachdem wie breit es sein soll, wird ein beliebiger Stoff zugeschnitten. Dabei gilt 4 mal sichtbare Breite ist die zu schneidende Breite.
Nach dem Schneiden werden die äußeren Kanten links auf links nach innen gebügelt -so ist nur noch die Hälfte der ursprünglichen Breite über- und dann um die Kante der Decke gelegt.





Ich habe den Stoff in der entsprechenden Breite diagonal gefaltet und gebügelt, um nur noch an den Falten entlang schneiden zu müssen. Zum Schneiden nutze ich einen Rollschneider, dann geht das ratzfatz!








Praktischerweise ergibt sich durch den Schnitt, dass das Band bereits schräge Kanten hat. Diese werden rechts auf recht übereinander gelegt und zwischen den Markierungen (X) vernäht.










 Damit die Naht auch schön gerade wird, habe ich mir sicherheitshalber eine Falte reingebügelt. Wessen Maschine den Stoff gerade transportiert, braucht das wohl nicht. ;o)


















Beim Aufklappen stehen dann oben und unten zwei Ecken über, die einfach abgeschnitten werden können.







Für meine Decke brauchte ich etwas mehr als fünf Meter Schrägband. Sind die Streifen fertig aneinandergenäht, wird gebügelt. Dazu nutze ich einen Schrägbandformer. Diese praktischen Helferlein gibt es in verschiedenen Breiten, ich habe mich für 50 mm entschieden. Meine Stoffstreifen sind also knapp 10 cm breit - das ergibt eine 2,5 cm breite Kante.



Der Stoff wird hinten in den Former geschoben und beim Durchziehen darin gefaltet.













Man braucht vorn nur noch bügeln und den Former stückchenweise nach hinten ziehen.

















So bekommt man ganz viel schönes Schrägband....












Es wird dann einmal rings um die Kante der Decke gefaltet und festgesteckt.


Bei den Ecken falte ich das Band wie die Ecken eines Geschenkpapiers. Gerade legen bis an die Kante, um die Ecke rum, einklappen und...












...die obere Lage runterklappen und feststecken.














Den Anfang des Schrägbandes sollte man offen lassen, um ihn später, wenn man einmal ringsherum genäht hat, passend vernähen zu können. Durch die zahlreichen Lagen verschiebt sich nämlich gern nochmal ein bisschen was.



Da ich eh schon viele Lagen habe, habe ich hier ein bisschen geschummelt. Eine tolle Anleitung wie es richtig geht, findet ihr hier.





So, nun sitzt das Band und die Decke muss nur noch gewaschen - und nach Möglichkeit im Trockner getrocknet werden. Wer keinen Trockner hat, kann die Decke auch einfach nochmal waschen. Aber auch so sieht die geschnittene Lage doch schon toll aus, oder?



 
















Aber nach dem Waschen kommt der Effekt so richtig schön zur Geltung:








Und so sieht die Decke im Ganzen nun aus...







...und als Wohnaccessoire:








Da weiß man doch, wofür man sich die Arbeit gemacht hat. :o))

Und weil die Krabbendecke für meine zuckersüße Nichte ist, schicke ich den Post heute an Meitlisache

1 Kommentar:

  1. Wow, das sieht ja genial aus! Ich merk mir das mal, obwohl ich befüchte, dass mir das Durchhaltevermögen für die vielen Nähte und das stundenlange Aufschneiden fehlt ;-)
    Liebe Grüße, Änni

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